Nächstes Rennen: Spanien-Barcelona
T Std Min Sek

Camber (Sturz): Der Radsturz bei Formel 1 Autos

Neigungswinkel der Räder zum Asphalt.
Der Sturz (englisch „Camber“) beschreibt den Winkel, in dem die Räder eines Rennwagens zur Fahrbahn stehen, wenn du das Auto von vorne betrachtest. Stehen die Oberseiten der Reifen näher zusammen als die Unterseiten, nennen wir das „negativen Sturz“. Das Ziel dahinter: In schnellen Kurven wird das Auto nach außen gedrückt. Durch die schräge Stellung presst sich der Reifen in der Kurve perfekt auf den Asphalt. Auf den Geraden berührt der Reifen den Boden zwar nur einseitig, aber in den Kurven wird er so zu einem echten Haftungs-Monster, was höhere Geschwindigkeiten ermöglicht.

In der Formel 1 findet man fast ausschließlich negativen Sturz. Die Räder neigen sich oben zur Fahrzeugmitte. Ein positiver Sturz (Räder oben weiter auseinander) wird im modernen Formelsport praktisch nicht eingesetzt, da er die Stabilität in Kurven massiv verschlechtern würde.

Die Vorteile in der Kurve

Wenn ein F1-Bolide mit hoher Geschwindigkeit in eine Kurve fährt, wirken enorme Seitenkräfte. Der Reifen neigt dazu, nach außen zu „rollen“. Hätte das Rad im Stand einen Winkel von 0° (also genau senkrecht), würde es in der Kurve auf die Außenkante gedrückt werden – die Kontaktfläche zum Asphalt würde schrumpfen. Durch den negativen Sturz wird dieser Effekt ausgeglichen: Der Reifen verformt sich unter Last so, dass die gesamte Lauffläche plan auf der Straße liegt.

Die Schattenseiten: Verschleiß und Hitze

Ein extremer Sturz bringt jedoch nicht nur Vorteile mit sich. Auf den langen Geraden rollt der Reifen nämlich fast nur auf der Innenseite. Das hat zwei große Nachteile:

  1. Verschleiß: Die Innenschulter des Reifens nutzt sich deutlich schneller ab als der Rest.

  2. Hitze (Blistering): Durch die punktuelle Belastung entsteht enorme Hitze im Inneren des Reifens, was zu gefährlicher Blasenbildung führen kann.

Das Limit durch die FIA und Pirelli

Weil ein zu extremer Sturz die Struktur des Reifens gefährden kann (besonders bei High-Speed-Strecken wie Spa oder Silverstone), gibt der Reifenhersteller Pirelli strikte Grenzwerte vor. Die Teams müssen ihren Camber innerhalb dieser Parameter einstellen, um Reifenplatzer zu vermeiden. Die Kunst der Ingenieure besteht darin, so nah wie möglich an dieses Limit heranzugehen, um das Maximum an Performance herauszukitzeln, ohne die Sicherheit zu riskieren.

Wusstest du, dass Formel-1-Autos fast ausschließlich mit negativem Sturz fahren? Was auf den ersten Blick wie ein Achsschaden aussieht, ist pure Absicht. Da sich der Reifen in einer Kurve durch die Fliehkräfte verformt, sorgt die schräge Ausgangsposition dafür, dass er genau im Moment der höchsten Belastung flach aufliegt und so den maximalen Grip bietet.