Bargeboards waren über Jahrzehnte hinweg das „heilige Gral“ der Aerodynamik-Ingenieure. Während Front- und Heckflügel offensichtlich für den Abtrieb zuständig sind, arbeiteten die Bargeboards im Verborgenen, um die Effizienz des gesamten Fahrzeugkonzepts zu maximieren.
Die physikalische Aufgabe: Lufttrennung
Die wichtigste Funktion der Bargeboards ist die Trennung verschiedener Luftströme. Da die Vorderreifen nicht verkleidet sind, erzeugen sie enorme Luftverwirbelungen. Die Bargeboards wirken wie ein Schutzschild: Sie drücken die turbulente Luft der Reifen nach außen weg vom Auto (das sogenannte „Outwash“-Prinzip), damit sie die empfindliche Aerodynamik am Heck und den Unterboden nicht stört.
Erzeugung von Wirbeln (Vortices)
Ingenieure nutzten die scharfen Kanten der Bargeboards, um gezielte Luftwirbel zu erzeugen. Diese Wirbel funktionierten wie eine unsichtbare Versiegelung an den Seiten des Autos. Sie verhinderten, dass seitliche Luft unter den Boden strömt, was den Unterdruck (und damit den Grip) unter dem Auto massiv verstärkte. Je komplexer die Bargeboards gestaltet waren, desto stärker war dieser Effekt.
Das Ende der Bargeboard-Ära 2022
Mit dem neuen technischen Reglement im Jahr 2022 verschwanden die klassischen, hochkomplexen Bargeboards fast vollständig. Warum? Weil sie maßgeblich dafür verantwortlich waren, dass ein hinterherfahrendes Auto in so viel „Dirty Air“ geriet, dass Überholen kaum möglich war. Die moderne F1 setzt stattdessen auf den „Ground Effect“, bei dem der Abtrieb hauptsächlich durch Tunnel unter dem Auto erzeugt wird. Die heutigen Leitbleche sind deutlich simpler und kleiner gestaltet, um das Hinterherfahren und damit die Action auf der Strecke zu verbessern.
Kimi Antonelli